Zum Selbstverständnis des Faches Religion – religiöse Bildung in der pluralen Gesellschaft

  • Religionsunterricht dient der Persönlichkeitsstärkung und Allgemeinbildung, weil die abendländische Kulturtradition ohne das Christentum nicht zu denken ist
  • Religionsunterricht dient der Religionsfreiheit und macht in religiösen Fragen urteils- und dialogfähig
  • Religionsunterricht dient der ethischen Urteilsfindung und motiviert zu verantwortlichem Handeln in Kirche und Gesellschaft

Religionsunterricht dient der Persönlichkeitsstärkung und Allgemeinbildung, weil die abendländische Kulturtradition ohne das Christentum nicht zu denken ist

Bildung, verstanden als ein auf Mündigkeit zielendes Sich-selbst-Bilden des Heranwachsenden, vollzieht sich in der Auseinandersetzung mit der sozialen, gesellschaftlichen und kulturellen Wirklichkeit, die den Menschen umgibt. Angesichts der für die Identitätsbildung von Heranwachsenden prägenden Herausforderungen der Pluralisierung und Individualisierung und des damit einhergehenden Verlusts überkommener Plausibilitäten, angesichts auch der durchdringenden Ökonomisierung aller Lebensbereiche und der damit einhergehenden Bedrohung der normativen Strukturen der Lebenswelt stellt die Stärkung der Person ein vordringliches Bildungsziel dar.

Bildung als Allgemeinbildung hat einen gesellschaftlichen Ort in einer räumlichen, von Überlieferungen geprägten Kulturgemeinschaft. Eine solche kulturelle Gemeinschaft, in der der Mensch seine Allgemeinbildung gewinnt, ist von konkreten Vorstellungen gemeinsamen Lebens bestimmt.

Der Religionsunterricht unserer Schule fördert die eigene kulturelle Identität der Schülerinnen und Schüler, die auch die Grundlage für die Verständigung mit anderen kulturellen Identitäten sein kann. Ausgehend von der Option einer transzendenten Dimension der Wirklichkeit konfrontiert der Religionsunterricht die Schülerinnen und Schüler mit der Erfahrung des Unbedingten, mit dem, worüber der Mensch nicht verfügen kann, demgegenüber er aber herausgefordert ist, sich zu verhalten. Denn Subjekt und Person wird der Mensch nicht durch Selbstbehauptung, sondern vielmehr in der Annahme geschenkter Freiheit, die in der personalen Bindung zu Gott gegründet ist.

Religionsunterricht dient der Religionsfreiheit und macht in religiösen Fragen urteils- und dialogfähig

Der freiheitliche und demokratische Rechtsstaat ist religiös und weltanschaulich neutral. Er identifiziert sich mit keiner Religion oder Konfession, aber auch nicht mit dem Unglauben. Er verzichtet auf jedes Urteil in religiös-weltanschaulichen Fragen, sofern religiöse Lehren oder Praktiken nicht im Widerspruch zu den Grundwerten der Verfassung stehen. Deshalb kann der Staat auch nicht die Inhalte des Religionsunterrichts festlegen. Die religiöse Neutralität des Staates ist jedoch kein Selbstzweck. Sie dient der Verwirklichung der Glaubens- und Gewissensfreiheit der Bürgerinnen und Bürger. Dieses Grundrecht verlangt nicht nur, die religiösen Überzeugungen des Einzelnen zu achten, sondern auch die rechtlichen Voraussetzungen für die freie Religionsausübung zu schaffen.

 Der Religionsunterricht in unserer Schule soll die Schülerinnen und Schüler befähigen, von ihrem Recht auf Gewissens- und Religionsfreiheit Gebrauch zu machen und in religiösen Fragen urteils- und dialogfähig zu werden. Er problematisiert und kritisiert unberechtigte Absolutheitsansprüche in missverstandener Religion.

Religionsunterricht dient der ethischen Urteilsfindung und motiviert zu verantwortlichem Handeln in Kirche und Gesellschaft

Christlicher Glaube beruht nicht auf Werten, sondern umgekehrt folgen Werte aus dem Glauben. Werte lassen sich auch ohne Bezug auf Religion begründen. Ebenso richtig bleibt aber, dass Religion in Geschichte und Gegenwart zu den wichtigsten Quellen der ethischen und normativen Orientierung zu zählen ist. Politik und Wissenschaft gewinnen in der Gegenwart neu Achtung vor der ethischen Motivationskraft von Glaubensüberzeugungen, die ein verantwortliches Handeln begründen. Neu bewusst geworden sind insbesondere die religiösen Wurzeln von Freiheit, Verantwortung und Toleranz sowie der gesellschaftlichen und globalen Solidarität .

Der Religionsunterricht an unserer Schule macht die Schülerinnen und Schüler mit dem Ethos globaler Solidarität bekannt  und fördert ihr Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.